
Keine
Die Entwicklung einer Transformationsstrategie für das Gasnetz ist eine zentrale Maßnahme für Stadtwerke im Kontext der Energiewende und der kommunalen Wärmeplanung. Ziel ist es, systematisch zu analysieren, in welchen Netzgebieten mittel- bis langfristig weiterhin Gasbedarfe bestehen und wo ein Rückbau oder eine Umstellung auf Wasserstoff oder Biomethan sinnvoll ist. Im ersten Schritt erfolgt eine detaillierte Bestands- und Bedarfsanalyse. Dabei wird untersucht, wie sich der Gasverbrauch in verschiedenen Netzabschnitten bis zu definierten Zieljahren (z. B. 2035 oder 2045) entwickeln wird. Faktoren wie Gebäudestruktur, Sanierungsraten, regulatorische Vorgaben und die kommunale Wärmeplanung spielen hierbei eine entscheidende Rolle. Liegt die kommunale Wärmeplanung noch nicht abgeschlossen vor, sollte mit plausiblen Szenarien und Entscheidungskorridoren gearbeitet werden, die bei Vorliegen neuer Erkenntnisse aktualisiert werden können. Parallel wird die wirtschaftliche Ausgangslage bewertet: Restbuchwerte, verbleibende Abschreibungshorizonte und Auswirkungen auf die Netzentgeltkalkulation sind zentrale Eingangsgrößen, um Stilllegungszeitpunkte ökonomisch sinnvoll festzulegen. Darauf aufbauend wird eine strategische Zielnetzplanung entwickelt. Diese legt fest, welche Netzteile perspektivisch stillgelegt oder auf alternative Gase umgestellt werden. In diesem Zusammenhang sind auch klare Richtlinien zu definieren, etwa zur Einschränkung von Neukundenanschlüssen im Gasnetz oder zur Positionierung gegenüber Wasserstoffnutzung (z. B. Ausschluss von H₂ für dezentrale Heizzwecke). Die Neuanschlusspolitik ist häufig die erste operative Entscheidung und sollte frühzeitig verabschiedet werden. Für Netzgebiete mit geplantem Rückbau ist eine Kundenkommunikationsstrategie zu erarbeiten: Bestandskunden müssen frühzeitig über den Zeitrahmen informiert und auf Alternativen (z. B. Wärmepumpe, Fernwärmeanschluss) hingewiesen werden. Die enge Abstimmung mit der Kommune – über die Wärmeplanung hinaus – ist dabei wesentlich, etwa hinsichtlich politischer Rückendeckung, Tiefbaukoordination und der Verfügbarkeit alternativer Wärmelösungen. Abschließend wird der konkrete Umsetzungsbedarf analysiert, inklusive Zeitplan, Investitionsbedarf und personeller Ressourcen. Dabei sind regulatorische Rahmenbedingungen wie Stilllegungsanzeigepflichten, Konzessionsverträge und die Anschluss- und Versorgungspflicht (§ 18 EnWG) frühzeitig zu berücksichtigen. Die Maßnahme unterstützt Stadtwerke dabei, von reaktiven Strukturen (R1/R2) hin zu einer proaktiven, strategisch gesteuerten Infrastrukturentwicklung (R4/R5) zu gelangen. Die Vorteile liegen in frühzeitiger Planungssicherheit für alle Beteiligten, der Vermeidung von Fehlinvestitionen (z. B. Netzertüchtigung in Rückbaugebieten), einer optimierten Kapitalplanung sowie einer belastbaren Grundlage für die Kommunikation gegenüber Kunden, Kommune und Regulierungsbehörden.