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Langfristige Ausweitung der Kollaboration zwischen Organisationseinheiten
Adressierte Fähigkeiten
  • Interne Kollaboration
  • Sektorübergreifende Projektentwicklung
Voraussetzungen

Keine

Kurzbeschreibung

Stadtwerke sind häufig entlang klassischer Sparten (Strom, Gas, Wasser, Wärme, Telekommunikation) organisiert. Diese Struktur hat sich operativ bewährt, führt jedoch zunehmend zu Reibungsverlusten: Dekarbonisierung erfordert Sektorkopplung, Digitalisierung schafft Querschnittsthemen, und knappe Fachkräfte machen Synergien zwischen Bereichen unverzichtbar. Gleichzeitig setzen regulatorische Vorgaben – insbesondere die Entflechtung zwischen Netz und Vertrieb – der Zusammenarbeit in bestimmten Bereichen klare Grenzen, die bei der Ausgestaltung berücksichtigt werden müssen. Die vorliegende Maßnahme beschreibt ein Rahmenprogramm, mit dem die abteilungsübergreifende Zusammenarbeit schrittweise und strukturiert verbessert werden kann. Den Ausgangspunkt bildet eine gemeinsame, von der Geschäftsführung getragene Vision für Kollaboration sowie darauf aufbauende Governance-Strukturen, die Verantwortlichkeiten, Kommunikationswege und Entscheidungsprozesse klar regeln. Je nach Reifegrad und Größe des Stadtwerks können unterschiedliche Bausteine kombiniert werden: Strukturelle Bausteine: Einrichtung regelmäßiger spartenübergreifender Planungsrunden (z. B. zur Abstimmung von Netzplanung und kommunaler Wärmeplanung), Definition gemeinsamer Roadmaps mit Meilensteinen oder Etablierung fester Schnittstellenrollen zwischen Bereichen. Digitale Bausteine: Einführung gemeinsamer Kollaborationsplattformen wie digitaler Daten- und Dokumentenräume, Planning-Boards oder Workflow-Tools – unter Berücksichtigung der oft heterogenen IT-Landschaft sowie der Anforderungen an Datenschutz, Compliance und IT-Sicherheit. Kulturelle Bausteine: Begleitendes Change Management, Schulungen zu gemeinsamer Terminologie und Arbeitsweise sowie Formate wie Retrospektiven, die eine offene Feedback- und Lernkultur fördern. Voraussetzungen für den Erfolg sind die aktive Unterstützung durch das höhere Management, eine realistische Ressourcenplanung (Personal, Zeit, Budget für Moderation, Tools und Qualifizierung) sowie die frühzeitige Definition gemeinsamer Kennzahlen zur Erfolgsmessung – etwa die Anzahl spartenübergreifender Projekte, Durchlaufzeiten in Planungsprozessen oder die Zufriedenheit der beteiligten Bereiche. Als niedrigschwelliger Einstieg kann beispielsweise ein monatlicher Spartenleiter-Jour-fixe mit fester Agenda dienen, bevor komplexere Strukturen aufgebaut werden. Die Vorteile des Programms liegen in erhöhter Transparenz, schnellerer Entscheidungsfindung, besserer Ressourcennutzung und einem höheren Innovationspotenzial – etwa durch die frühzeitige gemeinsame Entwicklung neuer Produkte an der Schnittstelle von Erzeugung, Netz und Vertrieb (z. B. Ladeinfrastruktur, Mieterstrom, Quartierskonzepte). Langfristig wird abteilungsübergreifende Zusammenarbeit so vom Einzelprojekt zum Standardprozess und stärkt damit die Fähigkeit des Stadtwerks, Dekarbonisierung und Digitalisierung integriert voranzutreiben.

Aufwand
Personeller Aufwand
mittel
Zeitlicher Rahmen
mittel
Komplexität
hoch
Ressourcen

Personelle Ressourcen:

  • Projektleitung und Personal für die Organisationsentwicklung 
  • Fachkraft im Change-Management zur Begleitung der Prozesse
  • Bereichs-/Spartenleiter:innen zur Mitgestaltung
  • ggf. externe Begleitung

Materielle Ressourcen:

  • Kollaborationsplattformen und Tools für die Zusammenarbeit
  • Kommunikationsmaterialien
Möglicher Ablauf
  1. Bestandsaufnahme und Zieldefinition
  2. Auswahl von Pilot-Abteilungen, Definition von Rollen, Verantwortlichkeiten, Entscheidungswegen und Formaten
  3. Einrichtung kollaborativer Plattformen, Datenräume und ersten Templates
  4. Durchführung der Pilotprojekte, Messung der KPIs und Einführung von Feedback-Schleifen
  5. Verstetigung und kontinuierliche Verbesserung
Risiken
  • Unklare Zielsetzungen können zu Missverständnissen, Verzögerungen und Ressourcenineffizienzen führen
  • Fehlende oder nachlassende Priorisierung durch Geschäftsführung und Spartenleitungen führt zu mangelnder Verbindlichkeit und Ressourcenfreigabe
  • Fehlende Messbarkeit kann zu einer mangelnden Transparenz und inkonsequenten Entscheidungen führen
  • Hohe Auslastung der Mitarbeitenden im Tagesgeschäft führt dazu, dass neue Formate, Meetings und Pilotprojekte als zusätzliche Belastung wahrgenommen werden und nicht konsequent umgesetzt werden
  • Unzureichende Berücksichtigung von Entflechtungsvorgaben (Unbundling) führt zu unzulässigem Informationsaustausch zwischen Netz und Vertrieb
  • Die Wahrnehmung von Kollaboration als Eingriff in die eigene Autonomie kann zu Widerständen bei Spartenleitungen und Teams führen
  • Nachlassende Aufmerksamkeit nach der Pilotphase führt zu einer Versandung des Programms
Erfahrungen aus der Praxis