SW Check Logo
Aufbau von Communities of Practice für den internen Wissenstransfer
Adressierte Fähigkeiten
  • Interne Kollaboration
  • Nachhaltigkeitskompetenz
  • Innovationsbereitschaft
Voraussetzungen

Keine

Kurzbeschreibung

Ziel der Maßnahme ist es, die abteilungsübergreifende Zusammenarbeit zu stärken, indem Communities of Practice (CoP) – also thematisch fokussierte, abteilungsübergreifende Arbeitsgemeinschaften – systematisch aufgebaut und gepflegt werden. Im Gegensatz zu formalen Strukturen der Zusammenarbeit sind CoP kein Entscheidungsgremium und kein Projektteam. Vielmehr sind CoP ein geschützter Lern- und Austauschraum, der formale Zusammenarbeitsstrukturen ergänzt und den Austausch von Praxiserfahrungen, informellen Lösungsansätzen und Lessons Learned ermöglicht. Zur Umsetzung werden zunächst Themenfelder identifiziert, bei denen verteiltes Erfahrungswissen einen hohen Mehrwert bietet. Beispiele sind eine CoP „Smart Metering", in der Mitarbeitende aus Netz, IT und Kundenservice Rollout-Erfahrungen, technische Probleme und bewährte Vorgehensweisen in der Kundenkommunikation austauschen oder eine CoP „Datennutzung & KI", in der konkrete Use Cases und Erfahrungen mit datengetriebenen Anwendungen aus Netzbetrieb, Vertrieb oder Erzeugung zusammengetragen werden. Für jede CoP wird eine moderierende Person aus dem Kreis der Teilnehmenden benannt, ein realistischer Turnus vereinbart (z. B. monatlich) und ein niedrigschwelliger digitaler Kanal (z. B. ein Teams-Kanal oder Chat-Forum) für den Austausch zwischen den Treffen eingerichtet. Ergebnisse und Erkenntnisse werden knapp dokumentiert und über bestehende Kanäle (z. B. Projektstart-Checklisten, Lessons-Learned-Runden) in den Arbeitsalltag zurückgespielt. CoP benötigen ein Mindestmaß an Organisation – ein klares Thema, eine moderierende Person, einen festen Rhythmus –, leben aber von der freiwilligen Beteiligung und intrinsischen Motivation der Teilnehmenden. Eine zu starke Formalisierung durch verpflichtende KPIs oder Berichtspflichten kann die gewünschte Offenheit ersticken. Stattdessen empfiehlt es sich, den Nutzen über sichtbare Ergebnisse zu belegen, etwa wenn eine in der CoP geteilte Erfahrung ein konkretes Problem in einem anderen Bereich löst. Voraussetzung ist, dass Führungskräfte die Teilnahme aktiv unterstützen und ein explizites Zeitbudget dafür einräumen. Zudem ist darauf zu achten, dass der Austausch zwischen regulierten und nicht-regulierten Bereichen die Compliance-Anforderungen einhält. Kleinere Stadtwerke starten idealerweise mit einer einzigen, themenübergreifenden CoP – etwa als monatlicher „Fachstammtisch", der wechselnde Schwerpunkte setzt. Mittlere und größere Stadtwerke können mehrere themenspezifische CoP parallel betreiben und bei Bedarf CoP-übergreifende Formate ergänzen, in denen Querschnittsthemen sichtbar werden. Neben dem unmittelbaren Wissenstransfer stärken CoP die Nachhaltigkeitskompetenz und Innovationsbereitschaft. Nachhaltigkeitsthemen wie Dekarbonisierung, Ressourceneffizienz oder Klimaanpassung betreffen nahezu alle Bereiche eines Stadtwerks, das nötige Fachwissen ist aber oft ungleich verteilt. CoP schaffen einen Raum, in dem dieses verteilte Wissen zusammenfließt und Mitarbeitende ein ganzheitlicheres Verständnis von Nachhaltigkeitszusammenhängen entwickeln. Gleichzeitig fördern CoP die Innovationsbereitschaft, indem sie einen geschützten Rahmen bieten, in dem neue Ideen frühzeitig und hierarchiearm diskutiert werden können – bevor sie einen formalen Projektantrag durchlaufen müssen. Wenn Mitarbeitende erleben, dass ihre Impulse aufgegriffen werden und Ideen aus der CoP in konkrete Vorhaben münden, senkt das die Hemmschwelle, Neues auszuprobieren, und stärkt eine experimentierfreudige Unternehmenskultur. Der Nutzen liegt damit auf mehreren Ebenen: Bekannte Probleme werden nicht mehrfach gelöst, erfolgreiche Vorgehensweisen verbreiten sich schneller, und neue Mitarbeitende finden über die CoP niedrigschwellig Zugang zu relevantem Praxiswissen. Der regelmäßige, hierarchiearme Austausch fördert eine offenere Lern- und Fehlerkultur und stärkt die fachliche Vernetzung über Bereichsgrenzen hinweg. Und durch den gezielten Aufbau von Nachhaltigkeitskompetenz und Innovationsbereitschaft tragen CoP dazu bei, dass Stadtwerke die Herausforderungen aus Dekarbonisierung und Digitalisierung nicht nur strukturell, sondern auch im täglichen Arbeiten integriert angehen können.

Aufwand
Personeller Aufwand
mittel
Zeitlicher Rahmen
mittel
Komplexität
mittel
Ressourcen

Personelle Ressourcen:

  • Projektleitung für dieses Format
  • CoP-Moderation
  • Teilnehmende Fachkräfte (5-15 Personen pro CoP)

Materielle Ressourcen:

  • Kollaborationsplattformen
Möglicher Ablauf
  1. Identifikation von Themenfeldern, Teilnehmendenkreisen und Moderierenden, Festlegung von Turnus, Format, etc.
  2. Etabliertung von Pilot-CoPs
  3. Verstetigung des Formats, ggf. Gründung weiterer CoPs
  4. Verbreitung der Ergebnisse und Verankerung in Projekten
  5. Feedback-Schleifen und Anpassung der Formate
Risiken
  • Fehlende Zeitbudgets führen dazu, dass Teilnehmende die CoPs als Zusatzbelastung empfinden
  • Fehlende Ziele oder eine mangelnde Kommunikation erzeugen Unklarheiten im Arbeitsprozess und Diskussionen ohne Mehrwert
  • Fehlende Sichtbarkeit der Ergebnisse führt dazu, dass der Nutzen im Unternehmen nicht wahrgenommen wird
  • Wenn Feedback-Schleifen fehlen, lassen sich Wirksamkeit und Nutzen der Maßnahme nicht verlässlich messen
  • Bei ungleichverteilten Redebeiträgen können Perspektiven eingeengt werden und Innovationspotenziale verloren gehen
  • Werden die CoPs nicht an operative Prozesse angebunden, bleiben die Erkenntnisse folgenlos.
Erfahrungen aus der Praxis