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Systematische Durchführung einer Risikobewertung
Adressierte Fähigkeiten
  • Risikomanagement
Voraussetzungen

Die Einführung eines Risikomanagement-Systems kann je nach Anzahl und Komplexität der Projekte sinnvoll sein; Einheitliche Zukunftsszenarien als Grundlage für die Risikobewertung

Kurzbeschreibung

Die systematische Durchführung von Risikobewertungen und Risikoanalysen in Stadtwerken zielt darauf ab, projektbezogene und unternehmensweite Risiken frühzeitig zu identifizieren, zu bewerten und gezielt zu steuern, damit Transformationsvorhaben in Digitalisierung und Dekarbonisierung sicherer umgesetzt werden können. Grundlage jeder Risikobewertung sind nachvollziehbare Annahmen über die Zukunft, etwa Szenarien zu Energiepreisen, Regulierung, Technologiereife oder Kundennachfrage, da nur auf Basis solcher Prognosen Eintrittswahrscheinlichkeiten und mögliche Schadensausmaße realistisch eingeschätzt werden können. Risiko wird dabei typischerweise als Kombination aus Eintrittswahrscheinlichkeit und Auswirkung verstanden, die Schadenshöhe beschreibt, wie groß der finanzielle, technische oder regulatorische Schaden bei Eintritt eines Ereignisses wäre, während die Eintrittswahrscheinlichkeit angibt, wie häufig oder wie wahrscheinlich dieses Ereignis auftreten kann. In Stadtwerken kommen häufig qualitative Bewertungen zum Einsatz, bei denen Projektteams Risiken anhand klar definierter Kriterien und Skalen, zum Beispiel von sehr gering bis sehr hoch, einstufen, was Erfahrungswissen strukturiert nutzt und trotzdem eine nachvollziehbare Vergleichbarkeit schafft. Ergänzend können quantitative Bewertungen eingesetzt werden, bei denen abgeschätzt wird, wie stark sich Risiken bei ihrem Eintritt auf Planwerte wie Budget, Termin, Netzzuverlässigkeit oder CO₂-Minderungsziele auswirken, zum Beispiel in Form zusätzlicher Kosten, Verzögerungen oder geringerer Einsparungen, was insbesondere bei großen Investitionsprojekten wie Netzausbau, Erzeugungsanlagen oder Wärmenetzen hilfreich ist. Für die Dokumentation reichen vielen Stadtwerken zunächst einfache Risikoregister, standardisierte Vorlagen und eine Risikomatrix aus. Spezialisierte Softwaretools zur Datensammlung, Auswertung und Szenariosimulation können eingeführt werden, wenn Anzahl und Komplexität der Projekte steigen. Systematisiert wird die Risikobewertung, indem sie als verpflichtender Baustein in zentrale Abläufe integriert wird, etwa in die Projektinitiierung und Entscheidungsvorlagen für Geschäftsführung und Gremien, in regelmäßige Projektstatusberichte sowie in die strategische Portfolioabstimmung über alle wichtigen Transformationsvorhaben hinweg. Ein zentrales Risikomanagement oder Controlling kann einheitliche Methoden, Skalen und Vorlagen vorgeben und die Risikoberichte der Einzelprojekte bündeln, sodass Projektrisiken an das bestehende Unternehmensrisikomanagement, etwa nach KonTraG oder im Rahmen von Qualitäts- und Informationssicherheitsmanagementsystemen, angebunden werden. Die Maßnahme unterstützt Stadtwerke nicht nur dabei, einzelne Projekte sicherer zu machen, sondern auch ein ausgewogenes Gesamtportfolio aus risikoärmeren und risikoreicheren Vorhaben zu gestalten, sodass in strategisch wichtigen Bereichen bewusst Raum für innovative, potenziell risikoreiche Lösungsansätze bleibt, ohne die Gesamtstabilität des Unternehmens zu gefährden. Typische Anwendungsfelder sind Digitalisierungsprojekte wie Kundenportale oder Smart Meter-Rollout, Dekarbonisierungsmaßnahmen im Erzeugungs- und Wärmesektor, Kooperationsprojekte mit Partnern sowie IT und Sicherheitsvorhaben, bei denen technische, wirtschaftliche, regulatorische und Akzeptanzrisiken zusammentreffen. Durch die regelmäßige Überprüfung und Aktualisierung der Risikobewertungen im Rahmen von Projektmeetings und Managementrunden bleiben Annahmen und Gegenmaßnahmen aktuell und sie können bei Änderungen im Markt oder im regulatorischen Umfeld angepasst werden. Eine gut eingeführte Risikobewertung fördert zudem eine offene Fehler- und Lernkultur, da Risiken und Unsicherheiten strukturiert und ohne Schuldzuweisungen angesprochen werden, was es Mitarbeitenden erleichtert, auf Probleme hinzuweisen und gemeinsam Gegenmaßnahmen zu entwickeln. Für die Projektverantwortlichen entsteht so eine fundierte Entscheidungsbasis, etwa bei der Priorisierung von Maßnahmen, der Anpassung von Budgets oder der Wahl technischer Lösungen, was die Wahrscheinlichkeit eines erfolgreichen Projektabschlusses deutlich erhöht. Insgesamt trägt die systematische Risikobewertung dazu bei, dass Stadtwerke ihre begrenzten finanziellen und personellen Ressourcen gezielter einsetzen, Transformationsprojekte realistisch planen und zugleich handlungsfähig genug bleiben, um neue Chancen der Energie- und Wärmewende sowie der Digitalisierung kontrolliert nutzen zu können.

Aufwand
Personeller Aufwand
mittel
Zeitlicher Rahmen
niedrig
Komplexität
mittel
Ressourcen

Personelle Ressourcen:

  • Fachkräfte, die für die Durchführung und Koordination der Risikobewertungen verantwortlich sind
  • Fachkräfte, die die Gesamtverantwortung für Projekte tragen und in das Risikomanagement eingebunden sind
  • Ggf. IT-Fachkräfte für die Implementierung und Wartung von Softwaretools
  • Ggf. interne und externe Interessengruppen, die bei der Identifizierung und Bewertung von Risiken mitwirken können

Materielle Ressourcen:

  • Software-Tools oder Vorlagen zur Risikobewertung, Datenanalyse und Simulation
Möglicher Ablauf
  1. Definition der Ziele und Methodik der Risikobewertung
  2. Festlegung des Teams und der Verantwortlichkeiten
  3. Sammlung von Informationen über mögliche Risiken
  4. Qualitative und quantitative Analyse der identifizierten Risiken
  5. Einschätzung der Schadenshöhe und der Eintrittswahrscheinlichkeit
  6. Formulierung von Strategien zur Risikominderung, -vermeidung oder -übertragung
  7. Dokumentation und Integration in Abläufe
  8. Durchführung der festgelegten Maßnahmen zur Risikominderung
  9. Regelmäßige Überprüfung der Risikobewertungen und der Wirksamkeit der Maßnahmen
Risiken
  • Fehlende oder ungenaue Informationen oder die fehlende Einbindung relevanter Personen können zu einer unvollständigen Risikoerfassung oder falscher Risikoeinschätzung führen
  • Persönliche Meinungen und Erfahrungen können die Risikoanalyse beeinflussen
  • Eine zu hohe Komplexität der Methodik oder Probleme bei der Nutzung von Software-Tools können verhindern, dass die Prozesse im Alltag gelebt werden
  • Unzureichende Kenntnisse des Teams im Umgang mit Risikomanagement-Tools können die Effizienz verringern
  • Fehlende Maßnahmenumsetzung der dokumentierten Risiken führt dazu, dass der Prozess wirkungslos bleibt
  • Blockierung von Innovationsprojekten aus Angst vor Risiken
Erfahrungen aus der Praxis