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Entwicklung innovativer Tarif- und Vergütungsmodelle in der Fernwärme
Adressierte Fähigkeiten
  • Vertrieb grüner Wärme
  • Erzeugung und Verteilung grüner Wärme
Voraussetzungen

Bestehende Fernwärmeversorgung mit Potenzial zur Effizienzsteigerung und Bereitschaft zur Anpassung bestehender Tarifstrukturen; Technische Infrastruktur zur Erfassung von Rücklauftemperaturen (PTB-zertifizierte Messgeräte)

Kurzbeschreibung

Im Zuge der Dekarbonisierung urbaner Wärmenetze gewinnen die Nutzung von Niedertemperaturpotenzialen und die Einspeisung erneuerbarer Wärme zunehmend an Bedeutung. Stadtwerke können durch die Einführung differenzierter Tarifmodelle gezielt Anreize setzen – etwa zur Senkung der Rücklauftemperaturen oder zur Einbindung externer Wärmelieferanten. Eine Möglichkeit besteht in der Einführung von Bonus-/Malus-Systemen, die niedrige Rücklauftemperaturen belohnen („Rücklauftemperatur-Bonus“) und damit die Effizienz der Wärmeabnahme steigern. Ab Juli 2024 dürfen solche temperaturabhängigen Abrechnungsmodelle nur noch mit PTB-zertifizierten Messgeräten umgesetzt werden, die in der Lage sind, Teilverbräuche differenziert zu erfassen. Darüber hinaus können Stadtwerke prüfen, inwiefern Vergütungsmodelle für die Einspeisung erneuerbarer Wärme durch Drittanbieter sinnvoll sind. Neben finanziellen Anreizen (z. B. Einspeisevergütungen) sind dabei auch klare technische Rahmenbedingungen erforderlich – etwa zur Einhaltung von Temperaturniveaus, Druckverhältnissen und Regelbarkeit, um eine sichere und steuerbare Einbindung zu ermöglichen. Die Maßnahme orientiert sich an europäischen Vorgaben zur Öffnung der Wärmenetze. Dabei handelt es sich nicht um ein einzelnes Tarifmodell, sondern um ein regulatorisches Konzept, das unter dem Begriff Third Party Access (TPA) zusammengefasst wird. TPA beschreibt den diskriminierungsfreien Zugang externer Wärmelieferanten zu bestehenden Netzen. Umsetzungsvarianten wie das Single-Buyer-Modell oder das Durchleitungsmodell bieten unterschiedliche Ansätze zur Integration und Vergütung externer Wärmequellen. Weitere innovative Tarifmodelle sind Leistungs- und Lasttarife, die den Verbrauch stärker an der Spitzenlast orientieren und so Netzausbaukosten reduzieren oder zeitvariable Wärmetarife („Dynamic Heat Pricing“), die Preise an die aktuelle Netzauslastung oder den Anteil erneuerbarer Wärme koppeln. Flexibilitäts- und Speicherboni belohnen die Kunden für Lastverschiebung oder den Einsatz von Wärmespeichern. Die Gestaltung solcher Tarifmodelle erfordert eine enge Abstimmung zwischen Technik, Abrechnung, Recht und strategischer Planung. Sie bietet Stadtwerken die Möglichkeit, aktiv zur Wärmewende beizutragen und gleichzeitig neue Geschäftsmodelle zu erschließen.

Aufwand
Personeller Aufwand
mittel
Zeitlicher Rahmen
mittel
Komplexität
mittel
Ressourcen

Personelle Ressourcen:

  • Fachkräfte aus den Bereichen Technik und Abrechnung
  • IT-Personal für Anpassung von Abrechnungs- und Messsystemen
  • Jurist*innen mit Erfahrung im Energierecht (z. B. AVBFernwärmeV, EnWG)
  • Kommunikationsteam für Kundeninformation und Akzeptanzförderung

Materielle Ressourcen:

  • Abrechnungssysteme, die flexible oder temperaturbasierte Tarife abbilden können
  • PTB-zertifizierte Messgeräte zur Temperaturerfassung
Möglicher Ablauf
  1. Analyse bestehender Tarifstrukturen und Netzparameter
  2. Bewertung technischer und regulatorischer Voraussetzungen
  3. Entwicklung von Bonus-/Malus-Modellen zum Temperaturverhalten
  4. Prüfung und Entwicklung von Einspeisevergütungen für Drittanbieter
  5. Anpassung der TAB und technischer Richtlinien
  6. Pilotierung mit ausgewählten Kunden
  7. Evaluation und schrittweise Ausweitung
Risiken
  • Komplexität in Abrechnungssystemen
  • Akzeptanzprobleme bei Kund*innen
  • Technische Herausforderungen bei Messung und Steuerung
  • Unsicherheit bei Drittvergütung & TAB-Anpassung
  • Konflikte mit Regulierungsrahmen (z. B. Preisaufsicht)
Erfahrungen aus der Praxis