SW Check Logo
Einführung dynamischer Stromtarife
Adressierte Fähigkeiten
  • Dynamisches Lastmanagement
  • Vertrieb grünen Stroms
Voraussetzungen

Keine

Kurzbeschreibung

Seit dem 1. Januar 2025 sind Stromlieferanten nach § 41a EnWG verpflichtet, mindestens einen dynamischen Stromtarif für Haushaltskunden anzubieten. Diese Tarife basieren auf den stündlichen oder viertelstündlichen Preisen am Großhandelsmarkt (Day-Ahead, optional Intraday) und gelten als wichtiger Baustein für die Energiewende, da sie Lastverschiebungen bei Kunden anreizen und so Stromnachfrage und -angebot besser in Einklang bringen. Dynamische Tarife können zudem Kundenbindung stärken, neue Zielgruppen erschließen und die Positionierung als innovativer, nachhaltiger Anbieter fördern. Die Umsetzung erfordert eine enge Verzahnung von Vertrieb, IT, Abrechnung und Messwesen. Notwendig sind Systeme zum Einlesen und Verarbeiten der Börsenstrompreise sowie ein Abrechnungssystem, das variable Preise automatisiert auf 15-Minuten-Basis verarbeiten kann. Schnittstellen zur Visualisierung von Preisen und Verbrauchsdaten (z. B. App oder Webportal) müssen vorhanden sein. Ein direkter Börsenzugang oder eine Kooperation mit einem Vorlieferanten/Energiehändler ist erforderlich. Da nur Kunden mit intelligenten Messsystemen einen Anspruch auf die Belieferung mit einem solchen Tarif haben, kann das Stadtwerk in seiner Rolle als grundzuständiger oder wettbewerblicher Messstellenbetreiber den Zählerwechsel aktiv anbieten, um die Teilnahme zu erleichtern. Begleitend sollte eine klare Kundenkommunikation erfolgen, die Vorteile, Funktionsweise und mögliche Kostenrisiken erläutert und Tipps zur Verbrauchsanpassung gibt. Zur Umsetzung sollte ein bereichsübergreifendes Projektteam (Vertrieb, IT, Messwesen, Abrechnung, Recht, Marketing) gebildet werden. Dabei sollte nicht nur das Mindestmaß an regulatorischen Vorgaben erfüllt werden, sondern das Thema als Chance für neue Geschäftsfelder verstanden und entsprechend als strategisches Innovationsprojekt positioniert werden. In Kombination mit dem dynamischen Strompreis lassen sich zusätzliche Geschäftsmodelle entwickeln – etwa Energiemanagementsysteme, mit denen Kunden ihre Geräte (Batteriespeicher, Wärmepumpe, Wallbox, Haushaltsgeräte) automatisch nach Preissignalen steuern.

Aufwand
Personeller Aufwand
hoch
Zeitlicher Rahmen
mittel
Komplexität
mittel
Ressourcen

Personelle Ressourcen:

  • Projektleitung und interdisziplinäres Projektteam aus Vertrieb, Marketing, IT, Netz und Messwesen

Materielle Ressourcen:

  • Abrechnungssoftware
  • App/Webportal zur Preisvisualisierung für Kunden
Möglicher Ablauf
  1. Anforderungsanalyse, Markt- und Wettbewerbsanalyse
  2. Konzeptionierung des Tarifmodells, inkl. rechtlicher Prüfung
  3. Ggf. Aufbau von Kooperationen
  4. Technische Umsetzung
  5. Prozessintegration
  6. Pilotphase mit ausgewählten Kunden
  7. Kundenkommunikation & Markteinführung
  8. Kontinuierliche Optimierung
Risiken
  • Schnittstellenprobleme, Umsetzungsschwierigkeiten und -verzögerungen durch die technische Komplexität
  • Geringe Kundenakzeptanz durch Verständnisprobleme und Preisunsicherheiten
  • Finanzielle Risiken durch nicht-kostendeckende Tarifstruktur
Erfahrungen aus der Praxis